Bandmaschinen-Sound: 8 Tape-Emulationen für euer Studio
Gibt es eine günstige Tape Machine Alternative für das heimische Studio?
Der Sound eines Songs oder Mehrspuraufnahme, die auf ein Tape einer Bandmaschine überspielt wird, klingt bis heute einzigartig und unerreicht. Wärme, Tiefe, eine unnachahmliche Dynamik, eine unvergleichliche Behandlung des Bassbereichs – das und noch viel mehr erreichen wir mit einer solchen Prozedur. Leider sind jedoch Bandmaschinen extrem teuer oder auch selten gebraucht zu einem bezahlbaren Preis zu erwerben (siehe u.a. Metaxas & Sins TR-X Tourbillon). Glücklicherweise gibt es sogenannte Emulationen/Simulationen in Hard- und Software-Form, die genau diesen Klang nachahmen sollen. Und dazu weitaus kostengünstiger zu haben sind. Ich habe mir diese in meinem Studio zur Serie „Electronic Music Producer“ einmal angeschaut und möchte euch acht meiner Lieblings-„Maschinen“ hier vorstellen.
Bandmaschine als Emulation – Inhalt
Strymon DECO: Ein Bodentreter ersetzt eine Bandmaschine?
Mein erster Gedanke war natürlich: eine Bandmaschine in einem so kleinen und leichten silbernen Gehäuse aus Aluminium? Dieses DECO von Strymon musste ich testen (ich besitze die erste Version von DECO). Mit fünf Drehreglern (Saturation, Blend, Lag Time, Volume und Wobble), einem Schalter (Sum, Invert und Bounce) und zwei Footswitches (Tape Saturation Bypass und Double Tracker Bypass) könnt ihr den Klang der Emulation einstellen. Anschlussseitig gibt es einen Stereo-Klinkeneingang, einen Expression-Pedal-Eingang, zwei Mono-Klinkenausgänge (links/rechts) sowie den Anschluss an das externe 9 V Netzteil.
Der Sound der „digitalen Emulation“ (über einen integrierten ARM-Chip) überrascht und erzeugt tatsächlich die typischen Bandmaschinen-Vibes. Die Tape-Saturation und die Emulation reduzieren sehr angenehm harsche Höhen und „kleben“ verschiedene Frequenzbänder zusammen. Und das von subtil bis hin zu einer sehr starken Saturation und einem übertriebenen Tape-Effekt. Ihr könnt sogar sehr coole Delay-Effekte herstellen, die zusätzlich im Timing recht interessant moduliert werden. Eben typisch Tape!
Das Bodeneffektpedal ist also nicht nur für Gitarristen geeignet, sondern findet bei mir einen festen Platz als Effektgerät für Mikrofonaufnahmen, zur Nachbearbeitung analoger und digitaler Synthesizer (auch VSTis) sowie zum Klangfärben des Fender Rhodes E-Pianos. Bei manchen eher minimalen Produktionen funktioniert DECO sogar wirklich gut auf der Summe vor meinem Limiter. Probiert das doch einmal aus!
PS: Die V2 bietet zusätzlich noch den klassischen Kassettendeck-Sound.
Handsome Audio Zulu: viel Voodoo und Mojo mit überraschendem Ergebnis
Die Einmann-Firma Handsome Audio präsentierte im Jahr 2017 und eher im „Untergrund“ eine neue Hardware namens Zulu. Ein in der Garage entstandenes Boutique-Gerät, das optisch ins Auge fällt und gleich mehrere Bandmaschinen klangtechnisch ersetzen soll? Die frühen Tester konnten es nicht glauben, waren aber nach den ersten Tests mehr als begeistert. Der Entwickler selbst spricht nicht gerne über die „Innereien“ – es sei ein Geheimnis. Dazu arbeitet die Kiste passiv – also ohne externe Stromversorgung und ohne Batterie (!). Und das soll eine Bandmaschine und sogar mehr ersetzen? Klingt eher nach Zauberei und Einbildung.
Und genau das musste ich, als Fan des Tape-Sounds, doch einmal testen. Leider ist es nur sehr schwierig, an die handgefertigten Geräte zu kommen (dazu sitzt der Entwickler in den USA). Endlich angekommen und ausgepackt merke ich in meinem Gesicht das erste Grinsen – das Gerät sieht sehr schick und cool aus. Zwei Kanäle (links/rechts) mit je vier großen Reglern (Deck, Bias, Enhance und Headroom) mit verschiedensten Einstellungen und Funktionen auf der angeschrägten Oberseite und dazu nochmals je ein Regler auf der Rückseite (Calibration). Dort findet ihr auch die XLR-Ein- und -Ausgänge. Die Hardware emuliert gleich drei Decks: 4-Spur-Kassette, Ampex 456/Otari und Studer.

Aber das war noch lange nicht alles! Denn „Bias“ agiert als eine Art One-Knob-Equalizer (Tilt-Shelf-EQ) mit einer Prise Kompressor-Mojo in elf Stufen, „Enhance“ ist ein Multieffekt (paralleler Obertongenerator in Kombination mit EQ, Dynamik) und mit „Headroom“ beeinflusst ihr die Eigenschaften eines Kompressors (von crunchy bis transparent). Dazu verändert „Calibration“ den Klang nochmals in vier Schritten (Pseudo Tape Formula, von LoFi bis „kristallklar“). Das ist aber nur eine knappe Erklärung der Funktionen. Weitere Informationen und eine Geschichte hierzu findet ihr im Benutzerhandbuch auf der Website des Herstellers.
Natürlich lassen sich die einzelnen klangfärbenden Funktionen jeweils in einen Bypass schalten. Ein überaus vielseitiges Gerät mit unheimlich vielen Möglichkeiten, den Klang zu verändern und verschiedene Bandmaschinen auf unterschiedliche Weisen zu emulieren. Bei mir und meinen Klienten kommt der Effekt mehr als gut an (Feedback: „jetzt klingt es total nach Vinyl“, „Verschmelzung aller einzelnen Spuren zu einem Song“ und „warme, seidige Vocals“). Die Kiste hat definitiv jetzt schon einen festen Platz neben mir auf dem Studiotisch.
Ein Tipp von mir: Preamp vor die Hardware setzen, um Zulu mit verschiedenen Lautstärken anzufahren. Das bringt nochmals mehr von diesem typischen „Mojo“-Tape-Sound – und es ist für mich wirklich „Zauberei“.
Preis: ca. 800 Euro (zuzüglich Mehrwertsteuer, Versand und Zoll)
SPL Machine Head: Die Legende in der eigenen DAW
Das SPL Machine Head-Plugin von Plugin Alliance bringt DEN charakteristischen Sound analoger Bandmaschinen in die digitale Produktionsumgebung und ermöglicht eine sehr differenzierte Steuerung von Sättigung und Höhenanteilen. Der eigentliche Algorithmus basiert auf einer Entwicklung aus den 1990er-Jahren, die für Motorola-DSPs optimiert wurde. Er bildet präzise die klanglichen Eigenschaften einer klassischen Lyrec TR-533 nach.
In dieser Version des Plugins steht neben einer originalgetreuen Emulation auch ein modernes Add-on zur Verfügung, das mit aktuellen Prozessoren ein noch feineres Eingreifen in euren Sound erlaubt. Besonders interessant ist dabei die Möglichkeit, Resonanzen abhängig von der Bandgeschwindigkeit gezielt zu kompensieren und damit den Klang räumlich, offen und detailreich zu formen.
Die Kombination aus Tape-Sättigung, dynamischem „Glue“-Effekt und erweiterter Steuerung tief- und hochfrequenter Klanganteile macht das Plugin sehr vielseitig einsetzbar. Und das von der subtilen Färbung einzelner Spuren bis hin zur hörbaren Klangformung im Masterbus. Dabei bleibt das Plugin klanglich transparent, liefert aber genau diese harmonische Dichte, die ihr eigentlich nur von analogen Geräten kennt.
Wer also genau diesen Sound-Charakter solcher klassischen Bandmaschinen sucht und im eigenen Projekt einsetzen möchte, und das, ohne auf moderne Arbeitsweisen zu verzichten, sollte SPL Machine Head definitiv einmal antesten. Ihr erhaltet ein Tool, das sich sowohl für pure Klangästhetik als auch für kreatives Sounddesign eignet.
Arturia Tape J-37: So klingt die digitale Bandmaschine richtig warm
Mit dem Tape J-37 von Arturia wird der charakteristische Sound der legendären Studer J37-Bandmaschine in die heutige Musikproduktion gebracht. Dabei bietet das Plugin nicht nur eine exakte Emulation dieser beliebten analogen Schaltungen, sondern es erweitert ebenso die Funktionalität für ein zeitgemäßes modernes Mixing.
Mit vier verschiedenen Bandmodi, einem optionalen Höhen-Rolloff, Stereo-Offset-Funktionen und der Möglichkeit, den Klang subtil oder stark in die Sättigung zu fahren, lässt sich der typische Tape-Charakter perfekt formen. Besonders der „Modern Mode” bringt euch eine gute Mischung zwischen analoger Wärme und moderner Klarheit. Und das lohnt sich vor allem bei Drums oder auf der Masterspur.
Mit der integrierten EQ-Sektion könnt ihr eure Spuren gezielt nachbearbeiten. Und das vor und nach der virtuellen Bandmaschine. Das eröffnet so zusätzlichen Spielraum für kreatives Sounddesign. Neben der Sättigung könnt ihr separat Bandrauschen, Wow und Flutter dazu regeln, um den typischen Vintage-Sound zu erzeugen. Eine Delay-Effekteinheit versetzt euren Sound über Modulationen in subtile bis starke Bewegungen. So lässt sich Tape J-37 sowohl zur Veredelung einzelner Spuren als auch auf dem Master einsetzen. Das Tool eignet sich zur Erzeugung von Retro-Klangfarben, aber mit modernen Kontrollmöglichkeiten.
Softube Tape: drei Tape-Emulationen in einer Software
Der Traum eines Musikproduzenten ist es doch schon mal gelegentlich, den eigenen Mix einmal „durch eine Bandmaschine zu jagen“, um den unerreichten Tape-Klang zu erhalten. Oder seht ihr das anders? Genauso verhält es sich doch auch mit dem legendären SSL G-Comp „Glue“-Effekt. Und genau das verspricht uns der Entwickler Softube mit seinen hochwertigen Software-Emulationen, was man an der CPU-Belastung sehen kann. Das Plugin-Tape ist eine Bandmaschinen-Emulation, die gleich drei Bandmaschinentypen in unsere DAW bringt.
Nummer 1, also „Typ A“, ist einem Schweizer Hersteller von Bandmaschinen nachempfunden und geht eher den linearen und präzisen Weg. „Typ B“ dagegen mag es färbender und basiert auf einer Transformer-Maschine, die dem Sound mehr Wucht und Tiefe verleiht. Und „Typ C“ gibt dem Sound das typisch britische Vintage-Feeling. Die Bedienung ist recht einfach und man kommt wirklich schnell zum gewollten Ziel: Der Mix oder die Audiospur klingt nach Tape. Sehr schön!
- Produkt im Bundle bei Thomann*
- Produkt einzeln bei Plugin Boutique*
- Mehr zum Produkt
- Produktseite bei Softube
Universal Audio UAD Spark Studer A800 Tape Machine: die echte Bandmaschine als Plugin
Ein weiterer Kandidat, der in meiner Bandmaschinen-Sammlung nicht fehlen darf, ist die Emulation der Studer A800 Tape Machine von Universal Audio. Die UAD-Version ist seit etlichen Jahren in meinen Produktionen im Dauereinsatz. Seit einiger Zeit gibt es diesen Effekt jetzt auch losgelöst von dem UAD-Universum als natives VST für macOS und Windows (Spark Abonnement). Also wer kein Apollo-Interface oder UAD-Hardware besitzen sollte, kann das Plugin auch ohne DSP betreiben. Und das wirklich mit einer angenehmen CPU-Auslastung. Dazu ist das Plugin auch mit der hauseigenen DAW LUNA kompatibel.
Nicht nur optisch erhaltet ihr hiermit eine „echte“ virtuelle Bandmaschine, sondern auch der Sound stimmt. Das Plugin bringt eine Menge Klangcharakter in eure Audio- und Instrumentenspuren. Und das mit druckvollem Bass und dem typischen Analogsound. Es lassen sich unterschiedliche Bandarten auswählen sowie alle Einstellungen des 400 kg schweren Originals regeln. Das Tool reagiert sogar in einer Art Mehrspurbetrieb, falls ihr mehrere Instanzen des Effekts in verschiedenen Spuren untergebracht habt. Also ein echtes Mehrspur-Tracking. Und auch hier muss ich sagen, dass ich sehr von dem recht authentischen Sound angetan bin.
Für Besitzer einer Apollo- oder UAD-Hardware eigentlich ein Muss und für Interessenten der Spark-Subscription ein absoluter Pluspunkt.
Baby Audio TAIP: künstliche Intelligenz für einen optimalen Bandmaschinen- und Tape-Sound?
Baby Audio ist ein kleinerer Software-Hersteller, der sich einen Namen mit ungewöhnlichen (eher außergewöhnlichen) Funktionen seiner Effekte in der Szene gemacht hat. Dieser hat ebenso eine Bandmaschinen-Emulation namens TAIP im Programm. Das Unvorstellbare ist hier die künstliche Intelligenz, die im Hintergrund den perfekten Tape-Sound erzeugen soll. Aber wie soll das funktionieren? Intelligente Wärme, lernende Verschmelzung einzelner Spuren im Mix? Klingt komisch, aber irgendwie auch spannend.
Aber KI hin oder her. Am Ende sollen der Klang und die Möglichkeiten überzeugen. Und das macht es hier für mich. Das grafische Benutzerinterface ist ansprechend designt und enthält alle wichtigen Regler zum Beeinflussen des typischen Tape-Sounds (Wear, Noise, Glue, Presence, Hi-Shape und Lo-Shape). Darüber hinaus liegen dem Tool etliche Presets bei, die das Einsatzgebiet des Effekts sehr genau zeigen. Für einen Preis von knapp 50 Euro ein tolles Plugin, um den legendären Klang einer Bandmaschine in meine DAW zu bekommen.
Universal Audio Vibe Analog Machines – teilweise kostenlos!
Auch im Portfolio von UA sind gleich zehn (!) kleine Maschinchen, die euch virtuell, also in der DAW, den Charakter und Sound einer Bandmaschine bescheren sollen. Und das natürlich auf zehn verschiedene Weisen. Von Lo-Fi bis Hi-Fi ist alles dabei. Und das zu einem sehr attraktiven Preis. Diese Klangeffekte sind im großen Paket enthalten:
- Sweeten: klassischer Magnetband-Sound mit leichtem Overdrive
- Edge: Sättigung einer analogen Konsole
- Glow: „knackige“ Analogsättigung
- Warm: ältere, warme Bandmaschine mit Warble
- Thicken: LoFi-Bandsättigung
- Vintagize: wie eine alte Bandmaschine vom Trödelmarkt
- Distort: Röhrenverzerrung
- Overdrive: starke Sättigung mit Bandgeräuschen
- Fire: Verzerrung für Gesang und Instrumente
- Sputter: kaputter Sound, aber auf coole Art
Ihr seht, hier bekommt ihr einiges geliefert. Und das natürlich im typischen Sound des Herstellers. Sehr cool ist die Bedienung, die jedem eher leicht fallen sollte. Wer das Ganze einmal ausprobieren möchte, bekommt hier eine Art Freeware-Version mit den vier Modellen Sweeten, Warm, Thicken und Vintagize kostenlos (und diese Plugins gehören anschließend für immer euch). Ausprobieren lohnt sich!
Fazit
Natürlich ist das nur ein kleiner Auszug aus dem großen Angebot an Emulationen des legendären Sounds einer Bandmaschine. Gerade im Plugin-Sektor gibt es Unmengen an Software, mit der ihr diesen einzigartigen Klang „erreichen“ könnt. Und das zu unterschiedlichen Preisen und mit verschiedenen Möglichkeiten. Aber man sollte immer daran denken, dass ich hier über Emulationen geschrieben habe, die sicher niemals den echten Bandmaschinen-Sound ersetzen werden. Mir persönlich reicht die Emulation für meine Bedürfnisse. Und manchmal finde ich die Ergebnisse meiner Hardware-Kisten und Software-Pendants sogar ein wenig besser als eine echte Überspielung auf eine Tape-Machine, bei der man bei Weitem nicht so stark eingreifen kann.
Habt ihr weitere Favoriten, mit denen ihr den Tape-Sound in eure DAW zaubert? Ich bin schon auf eure Vorschläge gespannt: bitte hier bei Facebook oder Instagram in die Kommentarsektion posten!
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