Re-Amping: Der Studio-Geheimtipp für einen besseren Sound
Re-Amping mit externen Effektgeräten: Der ultimative Studio-Hack für mehr Flexibilität
Einen perfekten Synthesizer-, Gitarren- oder Bass-Sound aufzunehmen, kann eine echte Herausforderung sein. Oft fehlt nach der Aufnahme der gewünschte Charakter, die Dynamik oder der Druck im Mix. Wer an dieser Stelle an eine Neuaufnahme denkt, also schon recordete Spuren aus dem Rechner oder durch Plugins erzeugte Sounds nochmals durch externe Effekte schleifen, sollte stattdessen eine bewährte Technik in Betracht ziehen: das Re-Amping. Dieses Verfahren eröffnet eine Vielzahl kreativer Möglichkeiten und macht es möglich, das Klangbild einer bereits aufgenommenen Spur nachträglich drastisch (vor allem positiv) zu verändern. Egal ob Gitarren-, Synthesizer- oder auch Schlagzeugspuren – mit Re-Amping lassen sich Sounds nachträglich organischer, räumlicher und individueller formen. Und das mit nur wenigen Extras!
Alles über Re-Amping
Was ist eigentlich Re-Amping?
Der Begriff Re-Amping beschreibt den Vorgang, ein bereits aufgenommenes, sauberes DI-Signal (Direct Input) erneut durch einen Gitarrenverstärker, Bass-Amp oder ein externes Effektgerät/Gitarrenpedal zu schicken und dabei einen neuen Klangcharakter zu erzeugen. Anstatt sich bereits bei der Aufnahme auf eine endgültige Klangformung festzulegen, ermöglicht dieses Verfahren eine nachträgliche Anpassung des Sounds, ohne die eigentliche Performance erneut aufnehmen zu müssen. Besonders in Studios mit begrenztem Aufnahmeplatz oder ungünstiger Raumakustik kann Re-Amping helfen, Sounds mit echtem Verstärkercharakter anzureichern, ohne von vorne beginnen zu müssen.
Falls ihr ein Audiointerface mit einem Hi-Z-Eingang verfügt, könnt ihr bei der Aufnahme des direkten Signals auf eine DI-Box verzichten. Natürlich profitiert von dem Re-Amping ebenso das Sounddesign. Und das in allen Musikgenres. Deswegen möchte ich mit diesem Tipp nicht nur Gitarristen und Bassisten ansprechen, sondern eigentlich Musikproduzenten, die elektronische Musik produzieren (so wie ich). Denn das ist genau die Methode, mit der man seinen Sound und seine Kreativität noch weiter verbessern kann – falls ihr mit externen Effekten (hier ein Workshop, wie man externe Effekte in Ableton Live einbindet) arbeitet.
Warum benötigt man diese Technik eigentlich?
Die Notwendigkeit dieser Technik ergibt sich aus mehreren Faktoren. Einer der wichtigsten Gründe ist die Flexibilität im Mix. Während eine mikrofonierte Gitarren-, Drum- oder Gesangsspur oft stark von Raumakustik, Mikrofonwahl und Verstärkereinstellungen abhängt, bleibt eine DI-Spur völlig neutral und erlaubt nachträgliche Klangexperimente – „in the box“, aber auch „out of the box“. Stellt man während der Produktion fest, dass eine Aufnahme eines Instruments zu dünn oder zu dominant klingt, kann man diese durch Re-Amping perfekt an den Mix anpassen. Das spart nicht nur Zeit, sondern ermöglicht es ebenso, den Sound an verschiedene Stilrichtungen anzupassen, ohne dass ein Musiker erneut ins Studio kommen muss oder ihr die Spur wieder und wieder aufnehmen müsst.
Ein weiterer entscheidender Vorteil ist die Kombination mehrerer Verstärker und vor allem Effekte. Während bei einer herkömmlichen Aufnahme meist nur ein Verstärker und eine Mikrofonierung zum Einsatz kommen, können beim Re-Amping mehrere Verstärker oder Effekte gleichzeitig oder nacheinander aufgenommen werden. Und hier fängt der Spaß erst an! Das Ergebnis sind satte, mehrdimensionale Klänge, die sich noch leichter und perfekt im Mix positionieren lassen.
Wer beispielsweise eine moderne Rockproduktion mischt, kann mit Re-Amping eine DI-Gitarre parallel durch einen Röhrenverstärker für Wärme und einen Transistorverstärker für Attack schicken. Dasselbe bei elektronischer Musik: Ein Synthesizer, aufgenommene Vocals oder eine analoge Drummachine lässt sich so nachträglich durch verschiedene Effekte veredeln. Dazu kommt der „Jam-Faktor“, bei dem ihr live an den Reglern der Effekte spielen könnt, um so leichte oder starke Veränderungen (Live-Modulation) hinzuzufügen. Tipp: Die Effektspur solltet ihr separat aufnehmen, um verschiedene Takes zu testen oder diese nochmals durch einen weiteren Effekt (oder Plugin) zu schicken.
Technische Realisierung
Damit Re-Amping reibungslos funktioniert, wird eine sogenannte Re-Amping Box benötigt. Diese dient als Impedanzanpassung, da ein Audiointerface oder Mischpult nicht direkt an einen Gitarrenverstärker oder Bodentreter angeschlossen werden sollte – testet das selbst einmal und ihr werdet sehen, welchen Unterschied eine solche Box am Ende ausmacht. Die Re-Amping-Box wandelt das Line-Signal des Audiointerfaces in ein hochohmiges Signal um, das einem echten Instrumentensignal ähnelt. Dies verhindert Pegelprobleme und sorgt für eine authentische Klangwiedergabe durch den Verstärker.
Der Ablauf ist denkbar einfach: Zunächst wird das Instrumentensignal über die DI-Box aufgenommen und in eine Spur der DAW (Digital Audio Workstation: Ableton Live, Cubase, Logic, Bitwig Studio, FL Studio, Pro-Tools, etc.) geleitet. Sobald die Aufnahme beendet ist, wird das Signal aus der DAW über die Re-Amping-Box an einen Gitarrenverstärker, Bass-Amp oder Effektgerät geschickt. Das neu erzeugte Signal kann dann mit Mikrofonen abgenommen (oder wird über den Ausgang des Effektgerätes in das Audiointerface geschickt) und wieder in die DAW eingespielt werden. Diesen Vorgang könnt ihr beliebig oft wiederholen, um verschiedene Verstärker- und Effektkombinationen auszuprobieren – und denkt an den Tipp oben, also auf eine separate Spur recorden. Sehr spannend!
Re-Amping mit externen Effektgeräten
Nicht nur Gitarren und Bässe profitieren von dieser Technik – auch Synthesizer, Drummachine-Spuren oder sogar Vocals können durch das Re-Amping mit externen Effektgeräten einen völlig neuen Sound und mehr Fülle erhalten. Wer beispielsweise ein elektronisches Drumkit durch ein analoges Delay oder einen Federhall schickt, verleiht dem Sound eine lebendige, organische Note. Ebenso können digitale Synthesizer mit analogen Gitarrenpedalen „angewärmt“ werden, um einen volleren Klang zu erzeugen. Genau so arbeite ich nämlich in meinem Studio.
Für experimentelle Produktionen bietet diese Technik besonders viele Möglichkeiten: Durch das gezielte Anheizen einer Spur mit einem Overdrive-Pedal oder einem Tape-Echo lassen sich so perfekte Lo-Fi-Effekte erzeugen, die in digitalen Produktionen sonst nur schwer realisierbar wären. Besonders spannend ist die Kombination mit Vintage-Verstärkern, die dem Sound einen ganz eigenen Charakter verleihen können.
Schickt man beispielsweise eine cleane Synthesizer-Spur durch einen alten Röhrenverstärker oder einen coolen Gitarrenverzerrer (Overdrive, Distortion), erhält man eine warme, obertonreiche gesättigte Textur, die sich perfekt in organische Mixe einfügt. Und mal ehrlich: Hier klingt analog wirklich besser als ein digitale Emulation, auch wenn der Gebrauch von Plugins sicherlich der einfachere Weg ist. Sehr cool ist zum Beispiel eine Bassline einer 303-Acid-Spur, die ihr nach der Aufnahme nochmals durch ein analoges Overdrive, einen Saturator oder direkt in ein Distortion-Pedal schickt.
Diese Hardware benötigt ihr für eine bessere Aufnahme
Je nach Ausstattung (Drehregler für die Lautstärkeregulierung, Splitting-Funktion, Mute-, Ground-Lift-, Hochpassfilter, Phasenumkehr-Buttons, und weitere Funktionen, XLR- oder „nur“ Klinkenein- und -ausgänge) kosten die kleinen Boxen mehr oder weniger. Gerade im Studioumfeld solltet ihr darauf achten, dass Re-Amping Hardware eigentlich nur mono angeboten wird. Das ist auch logisch, da diese Technik aus der Gitarren- und Mikrofonwelt kommt und hier benötigt man eben nur ein Monosignal. Nichtsdestotrotz benötigen viele Effekte ein Signal in Stereo, also müsst ihr hier tiefer in die Geldbörse greifen, um zwei Re-Amper zu kaufen.
Gerade in der elektronischen Musik gibt es viele Synthesizer, die lediglich in Mono arbeiten (303, Minimoog, etliche Drummachines mit Mono-Einzelausgängen etc.). Deswegen solltet ihr euch gleich zwei Monoblöcke zulegen, um direkt perfekt aufgestellt zu sein – eine Box, die ein echtes Stereosignal bearbeitet, ist hier nicht gefragt. Hier sind ein paar Beispiele, die für das Re-Amping mehr als geeignet sind.
Fazit: Das unverzichtbare Studiowerkzeug
Ob Gitarre, Bass, Synthesizer (Plugin oder analog), Gesang, Rap oder Schlagzeug – die Technik des Re-Ampings bietet enorme klangliche Vorteile und erhöht die Flexibilität bei der Produktion erheblich – und vor allem die Klangqualität. Die Möglichkeit, eine bereits aufgenommene Spur nachträglich mit realen Verstärkern oder externen Effekten zu bearbeiten, spart nicht nur Zeit, sondern bringt ebenso eine authentische Klangtiefe, die mit reinen Software-Simulationen oft nur schwer zu erreichen ist. Das ist echtes Sounddesigning.
Gerade im professionellen Studioalltag oder bei anspruchsvollen Musikproduktionen kann Re-Amping den entscheidenden Unterschied (soundtechnisch gesehen) im finalen Mix ausmachen. Wer sich mit dieser Technik auseinandersetzt, entdeckt für sich sicher eine völlig neue Welt des kreativen Sounddesigns. Ich für meinen Teil kann nur empfehlen, diese Technik einmal in eurem Musikzimmer auszuprobieren. Es lohnt sich!
Wie sehr ihr das Thema und arbeitet ihr ebenso mit Re-Amping und externen Effekten? Vielleicht habt ihr weitere Tipps und Tricks, wie ihr mit dem „Amp-Problem“ umgeht. Dann lasst es uns gerne hier unten in den Kommentaren wissen. Vielleicht habt ihr ebenfalls weitere Hardware-Vorschläge, die uns natürlich genauso interessieren.
Weitere Informationen
- Website von Walrus Audio
- Internetseite von Radial Engineering
- Website von United Studio Technologies
Hinweis: Dieser Artikel über Re-Amping enthält Werbelinks, die uns bei der Finanzierung unserer Seite helfen. Keine Sorge: Der Preis für euch bleibt immer gleich! Wenn ihr etwas über diese Links kauft, erhalten wir eine kleine Provision. Danke für eure Unterstützung!
Eine Antwort zu “Re-Amping: Der Studio-Geheimtipp für einen besseren Sound”
Ja und Nein. Einerseits bietet Reamping natürlich großartige Möglichkeiten. Andererseits macht es Aufnahmen nicht wirklich besser, wenn man schlechte Aufnahmen hinterher aufbrezeln muss oder ziel- und planlos Amps und Effekte daraufklatscht. Man sollte schon eine Idee haben, wie eine Spur klingen soll, wie man den Sound erreicht … und sich dann auch mal mutig darauf festlegen. „Ich kanns ja später noch allen ändern …“ macht meist keinen guten Track.